Mitten in der Nacht hat mich mein Wecker aus den Traeumen gerissen, denn es wurde Zeit sich auf den Weg nach Frankfurt Hahn zu machen. Bei freier Fahrt fuer freie Buerger konnte ich die 120km lange Strecke in einer Stunde und 10 Minuten meistern. Doch direkt am Flughafen gibt es erstmal das grosse Baustellenchaos und einen akuten Mangel an Hinweisschildern bzw fehlerhafte Schilder (Parkplatz voll, obwohl noch Plaetze frei, etc). Nach ein wenig rumgeiere habe ich dann doch noch einen Parkplatz gefunden der allerdings 7.- pro Tag gekostet hat. Gibts da auch kostenlose ?
Egal, also erstmal rein ins Terminal. Ein wirklich kuscheliger Flughafen, alles ein bischen klein und super ruhig (zumindest morgens um 05:00), kein Gedraenge, alles sauber und halbwegs neu. Nach dem check-in ging es weiter zum Security Check. Nach den Terroranschlaegen und der allgemeinen Paranaoia habe ich schon die schlimmsten Befuerchtungen a la “Warum wollen sie so etwas spitzes wie eine Zahnbuerste mit an Bord nehmen?” gehabt. Pustekuchen. Laessig den Rucksack durch den Scanner gejagt, Schuhe und Guertel anbehalten, freundlich behandelt worden, fertig. Nur keine Hektik. Ok, die Frau vor mir hat ernsthaft mit den Beamten diskutiert, warum sie ihr Taschenmesser nicht mit an Bord nehmen darf, aber das wars auch schon.
Nach dem Security Schnick-Schnack gab es erstmal einen sehr leckeren Earl Grey Tee. Sehr entspannendes Fruehstueck. Waehrend ich so da rum sass, meinen Tee schluerfte und die Zeit bis zum Abflug einfach nicht vergehen wollte, kam eine Kundin herein. Die junge Dame hat sich erstmal ein Hefeweizen bestellt und abgepumpt. Richtig, morgens, viertel nach Fuenf.
Nach endlos langer Zeit bin ich richtung ich-hasse-meinen-job-schalter gegangen: Passkontrolle. Die armen Bundesgrenzschutzbeamten in ihrem kleinen Kabuff. Die haben sich die Jobbeschreibung “Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs / polizeiliche Überwachung der Grenzen” sicherlich auch anders vorgestellt. Da sass also ein unausgeschlafener Beamte auf seinem Hocker und sein Blick hat so vieles erzaehlt: Ich sitze hier, muss einen Pass nach dem anderen kontrollieren, alles deutsche Paesse, nix zu tun, habe noch 8 Stunden vor mir und es ist sooo oede. Tja, da muss man wohl durch.
Irgendwann wurden wir dann aufgerufen und wir durften zu Fuss zu unserer Maschine laufen und uns einen Sitzplatz aussuchen. Fensterplatz, ganz klar. Weiter ging es mit der Sicherheitsperformance. Die RyanAir Flugbegleiterinnen haben sich richtig Muehe gegeben. Waere dabei noch ein bischen Musik gelaufen haette es als perfekt synchrone Choreografie fuer ein Musikvideo durchgehen koennen. Hat mir gut gefallen. Die Erklaerung war abermals ein nicht zu verstehendes Genuschel, aber das interessiert eh niemanden. Deutlich schlimmer war die nachfolgende Wiederholung in deutscher Sprache, die kam naemlich von CD. Penetrat langsam und super deutlich gesprochener Text (“…die Schnalle in die Schliesse…”) der von einer bayrischen Frau vorgetragen wurde, die das “R” wunderbar gerollt hat. Auf dem Rueckflug musste ich das nochmal ertragen, puh. Der Flug selbst war unspektakulaer, schoene Beschleunigung beim Start, steiler Steigflug, wolkenfreier Himmel mit toller Aussicht und butterweiche Landung.
Nachdem in dann in London Stansted aus dem Flieger gefallen bin, durften wir direkt einreisen. Die Schalterhalle war zu dieser fruehen Stunde noch nicht besetzt. Keine Passkontrolle, kein Zoll, keine Wartezeit, einfach nix. Sehr sauber. Also ab zum Stansted Express. Der Name hat meine Phantasie befluegelt und mir schwebte ein kleiner Sprinter vor, so eine Art mini ICE. Aber die Britische Eisenbahn hat natuerlich meine Vorurteile bestaetigt, der Stansted Express ist ein alter rostiger Zug mit durchgesessener Polsterung. Sehr oede.
Egal, endlich im Londoner Zentrum angekommen habe ich mich ein bischen in der City umgeschaut. Bin durch die Regent/Bond Street und Oxford/Picadilly Circus gestiefelt, aber da ich bereits 3 mal in London war und ich allein unterwegs war, gab es nix neues zusehen und unterhaltsam war es auch nicht sonderlich. Ungewoehnliches: Es gab in einem McDonalds keine Tablets, in einer Teestube gab es braunen Zucker in Zerreistuetchen und im KFC gab es serienmaessig salzfreie Pommes.
Den ersten kleinen Hunger habe ich in einem Donut Shop besiegt. Frisch, warm und sehr lecker! Nach diesem Zuckerschock ging es direkt ins Picadilly Backpackers. Ich war mit Frank im Berliner Backpackers und hatte daher gewisse Erwartungen. Leider wurden die in London nicht erfuellt. Ja, es war sehr guenstig (16 Pfund/Nacht im 4er Zimmer), aber der Service war nicht so besonders. Kein gemuetliches Cafe, strikte Oeffungszeiten im Fruehstuecksraum, komplettes Rauchverbot und jeder Scheiss kostet extra (Internet 1 Pfund/Stunde, Handtuch 2 Pfund, Shampoo 2.50 Pfund, etc). Aber das war alles nicht so wichtig, schliesslich musste ich da ja nur schlafen.
Langsam ist der Abend naeher gerueckt und damit der eigentliche Grund, warum ich ueberhaupt in London war. Mit der Tube ging es direkt in den Stadtteil Brixton zur Windmill. Dort angekommen bin ich erstmal direkt auf eine kleine Gruppe Deutscher gestossen. Wir haben vor dem Windmill bei Sonnenschein auf Baenken rumgesessen und auf den Einlass gewartet (die Zeitangabe im Internet war falsch). Ich habe dort dann Tean(?) und Pina kennengelernt mit denen ich spaeter das komplette Konzert verbracht habe. Es war ganz witzig, wir sassen da rum, haben ein bischen geschwaetzt, die Mutigen haben asiatisch gegessen, bis auf einmal Peter von den Sportfreunden sich zu uns setzt, sich schuechtern vorstellt “Hallo, ich bin der Peter”, jedem die Hand schuettelt, den Hardcore Groupies Begruessungskueschen verpasst und locker mit uns ueber die London Tour plaudert. Sehr sauber.
Irgendwann ging das Konzert endlich mal los und wir durften den Schuhkarton betreten. Es war aehnlich klein wie im Cookys in Frankfurt, allerdings waren deutlich weniger Leute da. Ich bin schlecht im Schaetzen, aber mehr als 60 werden es kaum gewesen sein. Eine sehr angenehme familiaere Atmosphaere. Es wurde uebrigens durchgezaehlt, es waren immerhin 3 Briten dabei :)
Das Konzert wurde durch Monta mit eher ruhiger Musik eroeffnet. Es war ganz nett, aber ein wenig zu ruhig fuer meinen Geschmack. Ich schau trotzdem mal, ob ich ein Album auftreiben kann. Anschliessend haben Cosmic Casino die Menge mit ihrer knueppeligen Musik vorgeheizt. Es waren ein paar starke Lieder dabei und der Bruder bleibt unvergessen. Wer in dem kleinen Schuppen kein Ohropax dabei hatte, wird die naechsten Tage sicherlich groessere Probleme bekommen.
Die Sportfreunde haben zur Eroeffnung (so wie in Losheim) die Knabenchor Version abgespielt, haben dann jedoch ihren Einsatz verpasst. LOL. Das Programm wurde wieder durch den unveroeffentlichtem Titel “Die Macht” (?) angereichert und wir durften das neue WM 2006 Lied hoeren. Ansonsten kann man nicht viel erzaehlen, die Stimmung war wiedermal genial, die Menge ging sehr gut ab, es wurde kraeftig gerockt und der Fluessigkeitsverlust war enorm. Ein saustarker Abend.
Der Rueckflug war uebrigens ein wenig holpriger und mein Sitznachbar scheint sich dabei nicht sonderlich wohl gefuehlt zu haben. Er hat durchgehend krampfhaft geradeaus auf den Sitz geschaut und Alkohol in sich reingepumpt. Vermutlich Flugangst. Der wackelige Flug wurde am Ende auch noch durch eine harte Landung abgerundet. Naja, nachdem ich dann 120km spaeter fuer laengere Zeit im Stau gestanden habe (Unfall mit Teilsperrung auf der A3) konnte ich zuhause endlich in mein Bett fallen.
Auch wenn London eher langweilig war, das Konzert war mal wieder ein Hammer. Der Spass hat mich ungefaehr 250.- gekostet, aber es hat sich definitiv gelohnt und ich wuerde es jederzeit wieder machen!
Das nuetzlichste, das ich in London dabei hatte war Andis MP3 Player. Danke fuers Ausleihen!