Vor ein paar Tagen hat mir Judith ein paar Freikarten fuer den Linuxtag spendiert[1] und gestern Abend habe ich spontan entschlossen hinzufahren.
Heute morgen bin ich also gemuetlich gegen 09:00 aufgestanden und habe mich auf den Weg nach Karlsruhe gemacht. Nach einer ruhigen Autofahrt habe ich mich gleich mal in die Fachmesse gestuerzt und dort ein paar Staende abgeklappert. Dabei haben ein T-Shirt, mehrere Sarge DVDs, eine Knoppix DVD und ein paar Schluesselbaendchen den Weg in meinen Rucksack gefunden. Die Messe war ueberraschenderweise (weil unter der Woche?) sehr leer und man konnte ohne Gedraenge die Staende erreichen. Vortraege wollte ich mir eigentlich auch anschauen, aber nach dem ersten habe ich schlapp gemacht. Das Wetter war einfach zu gut, um in einem Raum rumzusitzen. Also erstmal in die Stadt gelaufen und sich um das leibliche Wohl gekummert :)
Nach dem Essen habe ich Sebastian kennengelernt. Er kommt aus Frankreich, spricht ein sehr gutes Englisch (Glueck gehabt, mit meinem Franzoesisch komme ich nicht sehr weit), macht gerade seinen PhD, beschaeftigt sich nebenbei mit Funktionaler Programmierung (ocaml) und ist blind. Da ich mir schon immer mal ein Braille Terminal genauer anschauen wollte, war das eine gute Gelegenheit sich mal mit einem Benutzer drueber zu unterhalten (die nette Unterhaltung ging uebrigens ueber ne Stunde).
Ein wirklich tolles System. 2×4 kleine Kunststoffknoepfe zeigen 40 Zeichen einer Zeile an, wobei 2×3 Knubbel die Buchstaben definieren (dh 2^6 Buchstaben) und die unteren beiden Sonderfunktionen belegen. Links unten wird Grossschreibung angezeigt und wenn beide unten hervorstehen wird damit die aktuelle Position des Cursors angezeigt. Sebastian hat mir zum Spass die man page von rsync vorgelesen und dabei ein (beeindruckendes) ordentliches Tempo vorgelegt. “Gelesen” hat er dabei mit beiden Zeigefingern direkt nebeneinander. Der rechte macht eine Art “prefetch” und schaut sich schonmal um, wie der naechste Buchstabe sich entwickelt und der linke Zeigefinger liest das aktuelle Zeichen. Erklaeren konnte er es nicht wirklich, er hat es einfach von kleinauf gelernt und verinnerlicht :)
Ich habe ihn dann gleich mal mein Blog vorlesen lassen und kann euch versichern, dass Wordpress Blogs barrierefrei sind (schaut es euch einfach mit lynx an).
Richtig abgefahren ist die Eingabe von Texten. Es gibt Systeme bei denen eine normale Tastatur benutzt wird, aber Sebastians Braille Terminal hat dafuer eigene Sondertasten. Abgesehen von speziellen Navigationstasten existieren 8 Tasten zur Buchstabeneingabe. 8 Tasten sind auf den ersten Blick ein bischen wenig, um einen Text zu schreiben. Wenn man jedoch die Tasten nicht einzeln, sondern gleichzeitig in Kombination drueckt, bekommt man damit 2^8 Kombinationen und kann daher fluessigen Text schreiben. Die Geschwindigkeit war ebenfalls beeindruckend (und man kann in aller Ruhe Passwoerter eingeben, da niemand mitlesen kann *g*).
Ich fand es sehr interessant mal zu sehen, wie Menschen auf eine komplett andere Art und Weise das Internet erleben. Allein deswegen hat sich der Ausflug zum Linuxtag gelohnt!
Da die Messe sonst nicht mehr viel hergegeben hat, habe ich mich Richtung Auto begeben und dort mal in meiner Europakarte geschaut, was man von Karlsruhe aus gut erreichen kann. Richtig, Frankreich liegt um die Ecke, also ist das neue Ziel Strassburg. Knapp 80km spaeter habe ich dann im Cafe des National Theaters am Platz der Republik ein (Achtung Insider!) beschlagenes Glas Cola mit klirrenden Eiswuerfeln und einer Zitronenscheibe bei herrlichem Sonnenschein genossen und damit den Abend ausklingen lassen. Sehr schoen, das naechste Jahr fahr ich direkt ohne Unmweg nach Strassburg *g*
[1] Danke Judith! Wer noch Tickets braucht, ich habe 3x 4 Tages Paesse kostenlos zu vergeben!
Behind enemy lines
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Braille Terminal
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Gefaehrlicher Virenscanner
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Am Platz der Republik…
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…stehen wirklich schoene…
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…Gebaeude rum!
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